Reden wir über das Hören

Heute lebt weltweit einer von fünf Menschen mit einer Einschränkung des Hörens. Im Jahr 2050 wird es jeder Vierte sein.

Fünf stilisierte Personen nebeneinander. Eine Person in der Mitte ist hervorgehoben durch grüne Farbe und Strahlen über dem Kopf, die anderen sind gelb.

Worüber wir reden

In Europa leben derzeit rund 196 Millionen Menschen mit einer Einschränkung des Hörens – bis 2050 wird ihre Zahl auf etwa 236 Millionen steigen.¹ Auch in Österreich ist das Thema relevant: Aktuell sind etwa 1,8 Millionen Menschen betroffen, bis 2050 werden es voraussichtlich rund 2,5 Millionen sein.²

  • 66 % der Menschen mit einem „beeinträchtigenden Hörverlust” (ab 35 dB Hörschwelle) in Österreich haben bislang keine Behandlung erhalten.³
  • Bei Kindern mit Hörminderungen besteht ein erhöhtes Risiko für dauerhafte Defizite im Spracherwerb – oft verbunden mit schulischen, und sozialen Fehlentwicklungen, sowie emotionalen Schwierigkeiten.⁴
  • Die häufigste Form der Hörminderung ist die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis): Bereits etwa jede*r dritte Österreicher*in über 65 ist davon betroffen.⁵

Warum wir darüber reden

„Nicht sehen können trennt von den Dingen, nicht hören können von den Menschen.“

– Immanuel Kant

Der Mensch im Fokus Hörverlust beeinträchtigt unsere gesellschaftliche Teilhabe und kann zu sozialer Isolation und psychischen Gesundheitsproblemen führen.

34 Prozent der Menschen mit Hörverlust verbinden Schwerhörigkeit direkt mit Depressionen.⁹

Personalisierte Hörlösungen verbessern nicht nur das Hören, sondern auch die Lebensqualität. Eine Studie zeigt, dass 88 Prozent der Menschen, die eine Verbesserung der Hörleistung erfahren haben, von einer „signifikanten Verbesserung ihres Lebens“ berichten.¹⁰

Besser hören. Besser leben.

Die TOP 3 Effekte, die Träger*innen von Hörgeräten rückmelden:⁸

1. Gefühl von Sicherheit 2. Fähigkeit, in verschiedenen Situationen effizient zu kommunizieren 3. Selbstvertrauen

Die volkswirtschaftliche Perspektive 
Unbehandelter Hörverlust verursacht laut WHO weltweit jährlich Kosten von über 980 Milliarden US-Dollar.¹ 
In Europa belaufen sich die jährlichen Kosten auf rund 225 Milliarden US-Dollar⁵, in Österreich auf etwa 3,8 Milliarden US-Dollar bzw. 3,5 Milliarden Euro.⁶ Zum Vergleich: Tinnitus verursacht höhere volkswirtschaftliche Kosten als viele andere große chronische Erkrankungen – etwa mehr als chronisch obstruktive Lungenerkrankungen.⁷ Zudem glauben 55 % der berufstätigen Hörgeräteträger*innen, dass sie durch ihre Versorgung länger berufstätig bleiben können als ohne Hörgerät.⁸

Stapel von Euro-Münzen in unterschiedlicher Höhe symbolisieren Geldsummen. Rechts steht groß die Zahl 3,5 Mrd. mit Österreich-Flagge.

Warum wir nicht aufhören dürfen, darüber zu reden

28 % der hörgeminderten Personen mit ärztlicher Empfehlung sind noch nicht mit Hörsystemen versorgt.

Gleichzeitig werden nur 4 % der verordneten Hörgeräte nicht getragen. Zum Vergleich: Bei verordneten Medikamenten für chronische Erkrankungen liegt der Anteil der Nichtanwendung bei 20 – 50 %.⁸

Zehn stilisierte Personen in einer Reihe, alle mit Strahlen über dem Kopf. Darunter ein Balken mit der Markierung ‚65+‘ als Altersangabe.

Bis 2050 wird jede dritte Person in Europa über 65 Jahre alt sein – der Anteil der älteren Bevölkerung steigt auf 30 %. Der Erhalt der Hörkraft ist ein entscheidender Hebel, um die gesunde Lebenserwartung (Longevity) zu verlängern und Begleiterkrankungen wie Demenz und Debpressionen vorzubeugen.¹¹ Es existiert bei Menschen mit Hörverlust ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Akzeptanz von Hörlösungen und den Unterstützungsleistungen des staatlichen Gesundheitssystems.¹² Die WHO geht für jeden in Gehörschutz- und Gehörakustik investierten Euro von einem volkswirtschaftlichen „Return On Investment“ in der Höhe von 31 Euro binnen 10 Jahren aus.¹

Die Mär vom Stigma:

Und schließlich hält sich ein hartnäckiges Vorurteil: 
Wer ein Hörgerät trägt, wird stigmatisiert. 


Doch die Realität sieht anders aus, das zeigen aktuelle Studien. 72 % der Hörgeräteträger*innen geben an, ”NIE” das Gefühl zu haben, wegen ihres Hörgeräts belächelt oder abgelehnt zu werden. Bei unversorgten Personen mit Hörminderung liegt dieser Wert deutlich niedriger: Nur 36 % sagen, dass sie sich nie abgelehnt fühlen. Die Zahlen machen deutlich: Menschen mit Hörminderung erfahren weniger Ablehnung, wenn sie ein Hörgerät tragen.⁸

Großes lachendes Smiley-Gesicht mit der Zahl 72 Prozent daneben. Darunter die Zahl 36 Prozent mit einer Lupe und einer stilisierten Personen-Icon-Gruppe.
Huber Thomas26.06.2025
Medienkontakt Thomas Huber
Quellen
  • World Health Organization, World Report on Hearing, 2021
  • World Health Organization, World Report on Hearing, 2021, eigene Berechnungen
  • Brunel University London, Hearing Loss – Numbers and Costs, 2019
  • American Academy of Pediatrics, Hearing Assessment in Infants, Children, and Adolescents: Recommendations Beyond Neonatal Screening, 2023
  • Marktforschung, AK-Steiermark und Verein für Konsumenteninformation, 2022
  • Brunel University London, Hearing Loss – Numbers and Costs, 2019; Deutscher Bundesverband der Hörgeräteindustrie, EuroTrak Germany Hörstudie, 2025; eigene Berechnung
  • Universität Erlangen, Tinnitus Center, Charite’ Medicine Berlin, Estimation of Tinnitus-Related Socioeconomic Costs in Germany, 2022
  • Bundesverband der Hörgeräteindustrie, EuroTrak Germany Hörstudie, 2025
  • C. Sygrove, Hearing Aids as Health and Fitness Trackers: Monitor Your Hearing, Steps, Body, and Mind for a Healthier Lifestyle, 2023
  • S. Kochkin, MarkeTrak VIII – Patients report improved quality of life with hearin gaid usage, 2011
  • H. A. Bischoff-Ferrari, Zentrum Alter und Mobilität, UZH Zürich Hörkraft fördert Healthy Longevity
  • AEA & EFHOH, Getting the numbers right on Hearing Loss, Hearing Care and Hearing Aid Use in Europe, 2024
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